Weihnachten ist still, offen, warm und weit

Wer sich am Vorabend des vierten Adventssonntags nach einer kleinen Atempause sehnte, fernab vom vorweihnachtlichen Getümmel, der war in der Göltzschtalgalerie Nicolaikirche Auerbach genau richtig. Die neuapostolische Kirchengemeinde Auerbach hatte zu ihrem Adventskonzert eingeladen. Ca. 200 Zuhörer waren dieser Einladung gefolgt. Somit war das kleine Kirchlein bis in den hintersten Winkel ausgefüllt.

Steffen Fohlert, der Gemeindechor-Dirigent, führte souverän und charmant durch das kurzweilige Programm. Dieses bestand aus vier Teilen: Zunächst nahmen Gemeinde-, Frauen- und Männerchor, Kinder, Solisten und Instrumentalisten die Konzertbesucher mit in die vorweihnachtliche Zeit. Sie beschrieben mit Liedern wie „Advent ist es heut“ oder „Dr Himmel is e Lichterbugn“ u.v.a. die Zeit der Erwartung. Die Kinder hingegen besangen die vielen Heimlichkeiten und Düfte, die den Advents- und Weihnachtstagen innewohnen. Sie zeigten den Zuhörern, wie schön diese Zeit ist, wenn man sie mit kindlichen Augen betrachtet. Für ihre Gedicht- und Liedvorträge erhielten die kleinen Künstler lang anhaltenden Applaus.

Dann war man musikalisch beim Geschehen in der Heiligen Nacht angekommen. Mit bekannten, volkstümlichen Weisen wie z. B. „Maria durch ein Dornwald ging“ oder „Heilige Nacht“ von Johann Friedrich Reichardt erzählten Chor und Instrumentalisten von der Geburt Jesu. Natürlich durfte das weltweit berühmteste Weihnachtslied nicht fehlen: „Stille Nacht, heilige Nacht“.

Vor der Konzertpause gab es noch eine Überraschung für die Zuhörer. Während sie „O, du fröhliche“ sangen, stimmte der Chor parallel dazu mit kraftvollen Halleluja-Gesängen ein.

Während der halbstündigen Pause unterhielten sich alle Anwesenden angeregt, inmitten von dichtem Gedränge, im Foyer des Veranstaltungshauses.

Mit einem kleinen Glöckchen wurde das Ende der Pause eingeläutet. Nach und nach füllten sich die Reihen in der Nicolaikirche.

Nun begann der vorletzte Programmteil. Dieser beleuchte näher, ob wir den wirklichen Sinn der Weihnacht inmitten unserer Betriebsamkeit noch sehen (können). Als Jesus geboren worden war, kündete ein heller Stern von diesem großartigen Ereignis. In schlichte Verhältnisse wurde Gottes Sohn hineingeboren. Es brauchte keinen aufdringlichen Lichtzauber, der die stille Nacht bereits Wochen vorher lauthals ankündigte. Das von Therese Debon geschriebene Lied „Weihnachten ist leise“ brachte es auf den Punkt:

„…Walkman auf den Ohren, Bildschirm vorm Gesicht,
hört man niemand sprechen, sieht den andern nicht.

…Jagt nicht durch die Straßen, hetzt nicht ohne Ruh,
haltet endlich inne, lächelt euch mal zu.
Dunkel bleibt die Erde, kalt ohne Verstehn,
wenn wir nicht im Fremden unsern Bruder sehn.“

So lautet schließlich der Rat von Therese Debon.

Jetzt war es an der Zeit für einen besonderen Lobpreis Gottes. Der Teilchor des „Gospelprojektes“ war inzwischen auf die Bühne gekommen. Mit „Majesty – Here I am“ zogen die jugendlichen Sänger von Anfang an die Zuhörer in ihren Bann. Hier zeigte sich wieder einmal, dass Musik allein die Weltsprache ist und nicht übersetzt zu werden braucht, wie der Schriftsteller Berthold Auerbach zu seiner Zeit feststellte.

Mit „Shine your light“ setzten die Konzertierenden einen einzigartigen Schlusspunkt unter ein wunderbares Konzert. Zuvor waren Leuchtstäbe an die Konzertbesucher ausgeteilt worden. Dirigent Steffen Fohlert lud alle Anwesenden ein, mit einzustimmen in den Refrain des Liedes und zugleich die abgedunkelte Nicolaikirche mit den Leuchtstäben zu erhellen. …Gänsehautfeeling pur!

Fazit:

Ohne Weihnachten – das Fest der leisen Töne und kleinen Lichter – wären wir arm dran, ganz gleich, wie reich der Gabentisch gedeckt ist. Ohne Christus hätten wir keinen Halt, kein Ziel.

Text: sica/Fotos: U.S.