Ein Bild von Gott gemalt

Kurz nach dem Beginn des Jahres 2014 erlebte die Gemeinde im vogtländischen Auerbach - gemeinsam mit den Glaubensgeschwistern der Gemeinden Lengenfeld und Reichenbach – einen besonderen Höhepunkt: Bezirksapostel Wilfried Klingler besuchte die Gemeinde in der „Drei-Türme-Stadt“, im grünen Göltzschtal.

Er legte dem Gottesdienst das Bibelwort Psalm 84, 13 zugrunde:

„Herr Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!“

Bevor der Bezirksapostel auf das vorgelesene Bibelwort einging nahm er Bezug auf das vom Chor vorgetragene Lied „Ich, der Herr von Erd und All“ (CB 388). Es stammt aus dem neuen Chorbuch für die Sängerinnen und Sänger der Chöre der Neuapostolischen Kirche im deutschsprachigen Raum. Dieses Lied könnte durchaus eine neuapostolische Nationalhymne werden, so der Bezirksapostel. Die Melodieführung ist eingängig; die Wiederholungen im Lied sind eindringlich und unterstreichen die Textaussagen.

Im Refrain dieses Liedes heißt es: „Ich bin hier, Herr. Meinst du mich, Herr? Hör ich nicht dein Rufen in der Nacht?“ Auch Samuel, der sich zur Ausbildung in einer Prophetenschule befand, wurde eines Nachts gerufen. Zunächst dachte er, dass Eli ihn um Hilfe gebeten hätte. Doch dieser verneinte und gab ihm schließlich den Rat, wenn er wieder gerufen werde, zu sagen: „Rede Herr, denn dein Knecht hört!“
Diese Begebenheit macht deutlich, dass es oft schwierig ist, zu erkennen, wer ruft. Es ist ein lebenslang währender Lernprozess, zu erkennen, wer ruft und was derjenige von einem erwartet.
Auch an uns ergeht in jedem Gottesdienst der Ruf, uns doch in Gottes Dienst zu stellen. Wollen wir bereit sein und sein Rufen nicht ungehört lassen.

Nun ging Bezirksapostel Klingler auf das dem Gottesdienst zugrunde gelegte Bibelwort ein. Es gehe immer denen gut, die auf Gott vertrauen, so der Bezirksapostel. Wohlergehen ist gleichzusetzen mit glücklich sein, selig sein. Da stellt sich doch die Frage, welches Bild ich eigentlich von Gott habe und welche Einstellung zu ihm notwendig ist, damit es mir gut geht.

Im Natürlichen hält man seine Eindrücke als Fotografie oder Gemälde fest. Mehrere Personen können dasselbe gesehen haben. Und doch werden sie unterschiedlich davon berichten, weil sie das Gesehene unterschiedlich wahrgenommen haben. Stellen wir uns doch zum Beispiel einmal ein Haus vor. Der Eine versteht darunter einen Bungalow. Der Andere hingegen sieht gedanklich ein zweistöckiges Gebäude vor sich. Eine Präzision der Darstellung ist also notwendig.

So ist es auch mit dem Bild von Gott.

Was ist Gott?

Gott ist allmächtig.
Es gibt nichts, was er nicht kann. Aber es gibt manches, was er nicht tut. Wir Menschen hingegen haben unsere Grenzen. Wir sind auf die Hilfe anderer angewiesen.
Gott ließ seinen Sohn auferstehen von den Toten. Das zeigt umfassend seine Allmacht.
Wo suchen wir Hilfe? Müssen wir sie bei Fremden suchen, wenn wir doch den Allmächtigen an unserer Seite wissen? Nein. Denn nur in Christus ist das Heil.

Gott ist Wahrheit.
„Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen“ (Markus 13,31). Diese Zusage hat Gott uns gegeben. Sein Evangelium ist Wahrheit. Es lebt auch im Alltag und nimmt Einfluss auf unser Handeln. Denn Gott gab uns das Gebot: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst“ (Lukas 10,27). Das ist Evangelium, welches wir täglich praktizieren sollten.

Gott ist Liebe.
Er schenkt uns Menschen seine Liebe. Wir sind ihm wichtig. Uns soll es in seinem Werk gut gehen. Doch wie schnell stellen wir seine Liebe in Frage, wenn nicht alles so läuft wie wir es uns vorstellen. Seien wir gewiss: Gott lässt sinken, aber nicht ertrinken. Er lässt uns nie aus seiner Liebe fallen. Er gibt uns stets die nötige Kraft.

Gott ist gerecht.
Er sorgt dafür, dass alles entsprechend seiner Gerechtigkeit verläuft. David z. B. war auf der Flucht vor seinem Erzfeind, König Saul, denn dieser wollte den Thron nicht freiwillig räumen. Eines Tages ruhte Saul in einer Höhle inmitten der Wüste En-Gedi von den Strapazen seiner Verfolgungsjagd auf David aus. In dieser Höhle hatte aber auch David mit seinen Freunden Unterschlupf gefunden. Glücklicherweise blieben sie im hinteren Teil dieser Höhle von Saul unbemerkt. Saul war eingeschlafen. Nun wäre es für David leicht gewesen, seinen Feind aus dem Weg zu räumen. Doch er tat es nicht, obwohl ihn seine Freunde dazu drängten. Vielmehr erachtete David den König Saul trotz seines schändlichen Verhaltens und seiner schweren Verfehlungen immer noch als Gesalbten Gottes, den er nicht antasten würde.
Da stellt sich uns doch die Frage, wie wir unseren Glaubensbruder, unsere Glaubensschwester achten. Sehen wir immer in ihnen das Kind Gottes? Oder richten wir recht schnell über unseren Nächsten und verurteilen ihn? Lassen wir doch alles in Gottes Hand und nehmen wir alles aus seiner Hand.

Gott ist gnädig.
Jesus erzählte seinen Jüngern das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Dieser war nach dem Verprassen seines Erbes so tief gesunken, dass er seine Nahrung bei den Schweinen zu sich nahm. Und wenn man sich vor Augen führt, dass im Judentum Schweine als unreine Tiere gelten, wird sein tiefer Fall erst so richtig deutlich. Doch eines Tages besann er sich darauf, zu seinem Vater zurückzukehren, um wenigstens als Diener oder Landarbeiter seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Wie sehr erstaunte es ihn, dass sein Vater ihn mit offenen Armen empfing und ihn als sein Kind zu Hause willkommen hieß.
Gott vergibt uns immer wieder unsere Schuld. Wir sind ihm stets willkommen.


Bischof Ralph Wittich betonte in seinem Mitdienen, dass wir zum Schöpfer aller Dinge vertrauensvoll „Vater“ und „Du“ sagen dürfen. Er überlässt nichts dem Selbstlauf, denn er ist ein mitwandernder, dynamischer Gott. Das zeigte sich bereits beim Volk Israel, als es aus Ägypten auszog. Gott begleitete es Tag und Nacht als Wolken- und als Feuersäule. Trotzdem schuf sich so mancher Israelit seine eigenen Götter. Das Volk Israel vertraute dem lebendigen Gott nicht genug.

Des Weiteren führte der Bischof aus, dass Gott gütig und allwissend ist. Er weiß Gegenwart und Zukunft. Wohl dem, der sich auf ihn verlässt, denn Gott macht keine Fehler. Drum seien wir dankbar und loben und preisen ihn in guten Zeiten. Und wenn wir traurig sind, dann vertrauen wir doch auf Gott und seine Allmacht, dass er alles zu unserem Besten hinausführen wird.

Gottes Bild zeige sich in seinem Sohn. Die Evangelisten in der Bibel zeichnen ein detailliertes Bild von Jesus, und damit von der Liebe Gottes. Denn Gott sandte aus Liebe zu den Menschen seinen Sohn zu ihrer Erlösung auf die Erde.


Zusammenfassend stellte Bezirksapostel Wilfried Klingler fest, dass es uns nicht möglich ist, das Bild Gottes vollumfänglich während eines Gottesdienstes zu skizzieren. Gottes Liebe ist grenzenlos. Darüber hatten sich bereits die Menschen zu Jesu Zeiten aufgeregt. Denn Gottes Sohn wandte sich auch Sündern zu. Beispielsweise durchbrach der Sohn Gottes alle gesellschaftlichen Normen, um der Samariterin am Jakobsbrunnen als Quelle des ewigen Lebens zu begegnen. Als Jude sprach er mit einer Angehörigen des für fromme Juden unreinen Volkes. Darüber hinaus redete er
als Mann diese Frau direkt an. Er zeigte damit, dass niemand die Liebe Gottes hindern kann, auf ihrem Weg zu den Herzen heilloser Menschen ans Ziel zu gelangen!

Gott ist der Herr aller Herren. Er versprach uns durch seinen Sohn, dass wir bei ihm in der Herrlichkeit sein werden. Ist das nicht der schönste Lohn für all das, was wir für ihn und sein Werk hier auf Erden getan haben und noch tun werden? Gott und seinen Sohn Jesus Christus zu sehen, so wie sie sind, sollte uns Lohn genug sein.


Nach der Freisprache von den Sünden spendete Bezirksapostel Klingler zwei Kleinkindern das Sakrament der Heiligen Versiegelung. Er stellte in seiner Ansprache an die Eltern heraus, dass sie sowohl für das leibliche als auch für das seelische Wohl ihrer Kinder sorgen mögen.
Sie sollten ihren Kindern stets bewusst machen „Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Johannes 4, aus 16)


Die Sänger und Instrumentalisten der Gemeinde gestalteten den Gottesdienst musikalisch einfühlsam und sehr abwechslungsreich.

Text: sica / Fotos: U.S.