(Christliche) Werte – noch zeitgemäß?

Unter dieses Motto hatten die Glaubensgeschwister der Gemeinde Auerbach im Vogtland insbesondere das vierte Adventswochenende gestellt. Erneut erlebten sie mit ihren Gästen besinnliche Stunden im öffentlichen Adventskonzert in der Göltzschtalgalerie Nicolaikirche in Auerbach, aber auch praktizierte Nächstenliebe im Sächsischen Krankenhaus für Psychiatrie und Neurologie in Rodewisch und einen besonderen Gottesdienst am Sonntag mit unserem Bischof Ralph Wittich.

Nächstenliebe

Bereits am Freitag, dem 18. Dezember 2015 besuchte eine kleine Sänger- und Instrumentalgruppe die Patienten der Gerontopsychiatrie im Sächsischen Krankenhaus in Rodewisch. Mit bekannten Advents- und Weihnachtsliedern, aber auch mit modernen Arrangements wurden die Patienten für eine kleine Weile aus ihrer schweren Zeit „entführt“ und an schöne Advents- und Weihnachtstage aus ihrer Vergangenheit erinnert. Gern sangen die Kranken und Pflegebedürftigen, die zum Teil Langzeitpatienten in dieser Einrichtung sind, die bekannten Weihnachtslieder mit. Glänzende Augen und Freudentränen waren Ausdruck ihrer Dankbarkeit. Bereits seit über 20 Jahren ist dieses Engagement fester Bestandteil der vorweihnachtlichen Aktivitäten der Gemeinde Auerbach.

„Nehmt einander an“

Am darauffolgenden Samstag fand ein „Singen und Musizieren“ in der Göltzschtalgalerie Nicolaikirche in Auerbach statt. Bis kurz vor 17 Uhr strömten ca. 200 Menschen in das im Gegensatz zu anderen Gotteshäusern recht kleine, mittelalterliche Kirchlein am Stadtrand von Auerbach. Priester Steffen Fohlert, leitender Dirigent und Moderator, stellte den Besuchern das Motto des Abends vor: (Christliche) Werte – noch zeitgemäß? Dementsprechend definierte er den Begriff Advent:

Annehmen, auch denjenigen, der mir nicht passt.

Da sein füreinander.

Vertrauen auf Gottes Fügung und seinen Beistand.

Entdecken, was wichtig ist.

Neu beginnen, wenn man gescheitert ist.

Tragen helfen.


Kinder, Sänger und Instrumentalisten zeigten musikalisch auf, welche Bedeutung die Geburt Jesu für die Menschheit hat und warum auch in unserer Zeit das Bewahren der Werte der Lehre Jesu nicht nur für Christen von Bedeutung ist. Denn Werte bilden das Fundament für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Vieles von dem, was uns heute wertvoll erscheint, wäre ohne das Wirken Jesu Christi nicht denkbar. Bis heute ist die christliche Lehre Maßstab für richtig und falsch. Mittlerweile sind viele christliche Werte wie Nächstenliebe, Ehrfurcht vor allem Lebendigen, Frieden, Verantwortungsbewusstsein, Gerechtigkeit und Achtung vor der Überzeugung des anderen zu allgemeinen Werten geworden wie beispielsweise das Schulgesetz Sachsens im Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule (§1) bezeugt.

Wie können wir nun persönlich Christi Lehre von seinen Werten bewahren und in der Praxis umsetzen? Indem ich überlegt handle und mich nicht vom Mainstream der Allgemeinheit treiben lasse. Die Chorsänger fassten das zusammen im Lied „Nehmt einander an“, welches Jakob und Ulrich Meier (KMD Ev.-Luth. Laurentiuskirche Auerbach) in Bezug auf die Jahreslosung 2015 (Römer 15,7) getextet und komponiert haben. Darin heißt es:

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen, zu Gottes Lob, zu Gottes Lob, wie Christus euch angenommen: Nehmt einander an!

Der Eine ist ganz anders, als es dir gefällt. Der Andre meint, sein Denken sei Wahrheit dieser Welt. Der Eine hält sein Handeln für Sinn und Zweck der Zeit. Dem Andern gibt das Anlass zu Ärger, Zank und Streit.

Der Eine ist ein Fremder, geflohen vor Gewalt. Doch hier in unsrer Nähe lässt das die Meisten kalt. Sie sehen nur sich selber und ihren nächsten Schritt, und schnelle Vorurteile, die gehen gern mit.

Doch Jesus mahnt mit Liebe, den Nächsten anzusehn! Und er gibt uns die Kraft, um auf andre zuzugehn. Der Herr ruft uns zur Einheit, zu Frieden und Geduld, dass ihr mit seinem Munde den Vater loben sollt.“

Nach dem Verklingen dieser Adventskonzertbotschaft stimmten Zuhörer und Konzertierende gern in das bekannte Lied „Stille Nacht“ ein. Nachdenklich und besinnlich traten die Konzertbesucher ihren Heimweg an.

„Hast du mich lieb?“

Am vierten Adventssonntag leitete Bischof Wittich den Gottesdienst in der Gemeinde Auerbach. In diesem Gottesdienst spendete er den Glaubensgeschwistern K. und J. Walther den Segen zur diamantenen Hochzeit.

In seiner Predigt beleuchtete der Bischof die christliche Tugend „Liebe“: Nächstenliebe ist der Gradmesser unserer Liebe zu Gott und zu Christus. Man kann Gott nicht mehr lieben als seinen Nächsten.

An das diamantene Paar gewandt sprach Bischof Wittich von den herausragenden Eigenschaften eines Diamanten: undurchdringbar (griech. adamas) und durchscheinend (griech. diaphainein). Gemeinsam haben beide mit Gottes Hilfe 60 Ehejahre – mit Höhen und Tiefen – gemeistert und sich ihre Glaubensfreudigkeit erhalten. Die Liebe war das bindende Element. Das ist schon eine beachtliche Leistung, die uns Vorbild ist.

Fazit

Christi Werte zu erhalten und weiterzuvermitteln, fängt in den Herzen der Menschen an. Denn seit Christi Geburt haben wir die Möglichkeit, durch einen angenehmen und fairen Umgang ein Stück Himmel unter uns entstehen zu lassen. Sich füreinander einsetzen, füreinander beten, einander vergeben das sind die Kennzeichen christlichen Miteinanders. Es geht um Gefühle und Harmonie; vor allem aber um unser Tun. Nicht immer haben wir einem anderen gegenüber positive Gefühle. Wir können uns trotzdem für ihn einsetzen, für ihn beten und nicht unversöhnlich sein.

Ein besonderer Dank gilt dem gesamten Team der Göltzschtalgalerie Nicolaikirche Auerbach unter der bewährten Leitung von Frau Romy Koglin.

Text: sica, Fotos: S.K.