Gestern. Heute. Morgen. Immer: Wir erinnern uns an sie

AUERBACH/V. Es ist ein Symbol der Trauer und zugleich der Hoffnung: das Licht einer Kerze. So auch in Auerbach im Vogtland am 1. März 2025, wo zahlreiche Kerzen im Laufe des Abends entzündet wurden. Die Gemeinden Rothenkirchen (Kirchenbezirk Zwickau) und Auerbach/V. (Kirchenbezirk Plauen) hatten gemeinsam zu einer Andacht für verstorbene Kinder eingeladen. Ca. 130 Menschen vor Ort und zahlreiche Zuschauer per IPTV folgten dieser Einladung.

Die Idee hinter dieser Gedenk-Veranstaltung war, dass Eltern, Geschwisterkinder, Großeltern, Familien und Freunde in ihrer tiefen, lebenslangen Trauer Nähe, Halt, Unterstützung und Gemeinschaft erfahren. Mit Kerzen, Stille und Musik  wollten wir uns gemeinsam mit ihnen an "verlorene" Kinder erinnern.

Wochen intensiver Vorbereitung gingen dem Ereignis voraus. Mit Feingefühl näherten wir uns diesem sensiblen Thema - ging es doch darum sich gegenseitig zu trösten und in der Gemeinschaft neue Kraft zu schöpfen. Einfühlsam führte Silke durch diesen Abend. Hoffnung- und Mut-machende Beiträge der klein(er)en und großen Laienmusiker durchdrangen wie Lichtstrahlen das Dunkel der Trauer.

Zu Gast war auch  Nadine Wolf, ausgebildete Sozialpädagogin. Es ist ihr ein Herzensanliegen, Menschen in herausfordernden Lebensumständen zur Seite zu stehen, sie durch diese Zeit zu begleiten, sie zu führen und sie die eigene Stärke und den Lebensmut (wieder) neu entdecken zu lassen. Oftmals ist die Trauer so groß, dass schwer Worte zu finden sind. Der Weg der Trauer kann besonders einsam sein. Doch im Miteinander ist manches leichter als allein. Das Leben geht weiter, doch die Trauer bleibt. Sie verändert sich "nur" im Laufe der Zeit. 

Die Emotionen an diesem denkwürdigen Abend fanden ihren Höhepunkt beim Verlesen der Fürbitten, die im Vorfeld in beiden Gemeinden "gesammelt" worden waren, und beim "Kerzengang". Sterne, Schmetterlinge und Herzen, die unsere Kinder mit ihren KinderseelsorgerInnen als Anhänger gebastelt hatten, lagen bereits seit einigen Wochen im Foyer der Kirche bereit. Viele der verwaisten Familien hatten diese vorbereiteten Anhänger noch individuell gestaltet. Selbst kurz vor Beginn der Andacht bekamen Schmetterlinge, Herzen, Sterne "ihren" Namen.
Zusammen mit einer Kerze wurden diese liebevoll gestalteten Unikate an den Altar gebracht. Hier hatten wir unser "Erinnerungsbäumchen", einen Apfelbaum, und in Bodenvasen drapierte Weidenzweige zum Behängen platziert. Zahlreiche Andachtsbesucher nahmen diese besondere Möglichkeit des persönlichen Gedenkens wahr. Am Ende erstrahlte der zuvor in Weiß geschmückte Altar in einer Farbenvielfalt und Einzigartigkeit. Durch die Luftzirkulation bewegten sich die Anhänger leicht im Windhauch und vermittelten dem Betrachter Lebendigkeit und Lebensfreude. ... ein Ausdruck von Hoffnung und Zuversicht. 

Abschluss fand diese besondere Andacht mit dem Lied "Von guten Mächten treu und still umgeben". 

Diese Erinnerungsstunde schuf Raum für Trauer, Trost, Annahme, Geborgensein, Zuversicht.  Es wurde deutlich, dass Trauer eine normale, gesunde Reaktion ist. Sie hilft, den Verlust zu verarbeiten, nach vorn zu schauen und zu heilen. Trauer ist individuell: Jeder Trauernde entscheidet für sich, wie er trauert und wie lange er trauert. Da gibt es keine Vorgaben, kein RICHTIG oder FALSCH.  Das Leben geht weiter. Oft sind in den Familien gesunde Kinder, die - wie das "verlorene" Kind auch - der elterlichen Zuwendung und Aufmerksamtkeit bedürfen. Deshalb ist es wichtig, aktiv das Gefühl der Trauer zu bewältigen und die Dankbarkeit darüber, dass die Kinderseele wenigsten ein kleines Stück des gemeinsamen Lebensweges mitgegangen ist, Schritt für Schritt groß werden zu lassen. Wir dürfen trauern, wir sollen trauern. Nehmen wir unsere lebenden Kinder mit auf die Reise der aktiven Trauerbewältigung. Sie lernen durch beobachten und nachahmen. Lehren wir ihnen, dass Schicksalsschläge passieren, und dass der Tod zum Leben gehört. Zeigen wir ihnen, dass sie sich in problematischen Zeiten Hilfe und Unterstützung holen können. So werden sie zeitlebens offen(er) mit diesen sensiblen Themen umgehen. Auf diese Weise helfen wir ihnen. Und das wiederum hilft uns beim Verarbeiten der Trauer.

Trauern braucht Zeit. Und die sollte sich jeder nehmen, um danach wieder positiv in die Zukunft blicken zu können. Abschied zu nehmen vom Kind und es "loszulassen" bedeutet nicht, es zu vergessen. In unseren Erinnerungen werden diese Kinder weiterleben und unser Leben lang ihren festen Platz in unserem Herz haben. Und unser "Erinnerungsbäumchen" pflanzen wir auf dem Kirchengrundstück in der Bertolt-Brecht-Straße 4 in Auerbach/V. ein, damit es hier zu einem stattlichen, Früchte-tragenden Baum heranwächst, der (uns) immer wieder an diese besondere Stunde erinnert.