Bewundernswertes - gleich um die Ecke

Am Samstag, den 24. Oktober 2026, war ein kleiner Teil des Zentralchores Sachsen/Thüringen der Neuapostolischen Kirche als Projektchor zu Gast in der Kreuzkapelle Mauersberg. Wie es dazu kam? Lesen Sie selbst.

... an der Kreuzkapelle in Mauersberg

... an der Kreuzkapelle in Mauersberg

Alles begann mit der Vorbereitung einer Wanderung zu den Wehrkirchen des Erzgebirges. Eine wanderbegeisterte Sängerin aus einem anderen Chor fragte, ob es möglich wäre, im Rahmen der „Heimatkunde-Samstagsausflüge Chemnitz“ bei dieser Wanderung die Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“ – komponiert vom Kreuzkantor Rudolf Mauersberger erklingen zu lassen. Rudolf Mauersberger hatte diese unter den Eindrücken der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg nach Texten aus den Klageliedern Jeremias für den Dresdner Kreuzchor als Teil seines „Zyklus Dresden“ geschrieben.

... warum gerade diese vier- bis siebenstimmige Komposition? Nun, die Antwort ist ganz einfach: Die von ihm gestiftete Kreuzkapelle in seinem Heimatort Mauersberg ist eine der Wehrkirchen im Erzgebirge und war die letzte Station des Wandertages.

Wander- und gesangstechnische Vorbereitung

Der Organisator der Wanderung „Wehrkirchen des Erzgebirges“, Peer Ehmke, war begeistert von dieser Idee. Er selbst engagiert sich für den Chemnitzer Geschichtsverein e.V., einer Gruppe, die zum Ziel hat, sich mit der eigenen Umgebung/Heimat vertraut(er) zu machen

Als die Idee geboren worden war stand kurz darauf fest, dass Thomas Schäfer, der Chorleiter des Hutholzer Frauenchors, mitsingen und auch das Dirigat übernehmen wollte. Der Dirigent war also gefunden. Fehlte nur noch der Chor.

Es fügte sich, dass wir uns zu diesem Zeitpunkt im Zentralchor Sachsen/Thüringen bereits intensiv mit diesem Stück beschäftigten, da es eines der a capella-Werke in unseren Erntedankkonzerten in Chemnitz und in Plauen war. Nach vorheriger Absprache mit unserer Chorleiterin Roswitha brachte Till, einer unserer Zentralchorsänger, dem das Vorhaben des Chemnitzer Geschichtsverein e.V. bekannt war, dann Wandergruppe, Dirigent und Zentralchorsänger-Projektchor zusammen.

Wohltuendes für Augen, Ohren, Seele

Am 24. Oktober an der letzten Station des Wandertages angekommen, nahmen wir zunächst die auf dem Friedhof errichtete Kreuzkapelle in Mauersberg, die in unmittelbarer Nähe befindliche Grabstätte von Rudolf Mauersberger sowie das unter uns liegende Lichterdorf Mauersberg in Augenschein.

In der Kapelle erfuhren wir vom Vorsitzenden des Fördervereins Mauersberger-Freundeskreis und Kantor in Ruhe, Johannes Stuhlemmer, wissenswertes über die Geschichte dieses Kleinodes.
Rudolf Mauersberger ließ das Kirchlein zwischen 1950 und 1953 erbauen. Es war das Stalinistische Zeitalter, in dem Kirchen äußerst selten neu gebaut wurden. Der Komponist wandte für die Errichtung das Geld aus dem Nationalpreis der DDR auf, den er für sein musikalisches Schaffen verliehen bekommen hatte.
Über dem Portal der Kapelle ließ Rudolf Mauersberger ein Zitat von Christian Fürchtegott Gellert anbringen, das nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Zeit des Neubaus der Kapelle (Einweihung 1953) ein beeindruckendes Bekenntnis des Komponisten ist und auch uns an das Wichtige in unserem Leben erinnern möge:

"Seh' ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden ein Ärgernis und eine Torheit werden:
So sei's doch mir, trotz allen frechen Spottes, die Weisheit Gottes."

Rein äußerlich ähnelt die Kapelle sehr der 1889, aufgrund ihres ruinösen Zustandes abgebrochenen Wehrkirche. Doch das Innere der Kapelle trägt deutlich die Handschrift von Rudolf Mauersberger: Stuhlemmer zeigte detailreich, wie sich Architektur, Kunst, lokales Brauchtum, Theologie und Musik in diesem Gebäude vereint.

Mit diesen imposanten Eindrücken im Kopf nahmen wir im Altarbereich Aufstellung, um seine Komposition „Wie liegt die Stadt so wüst“ als Abschluss dieser beeindruckenden Wander- und Erlebnisreise vorzutragen. … eine besonderes Erfahrung für Zuhörer und Konzertierende gleichermaßen.

Besser als Till kann man das Erlebte nicht zusammenfassen, denn er sagte:
„Ich bin immer noch voller Freude über unseren Projektchor-Einsatz und die Möglichkeit, dieses ergreifende Stück an diesem besonderen Ort gesungen haben zu dürfen.“